Was ist CBASP?

Das „Cognitive Behavioral Analysis System of Psychotherapy” (CBASP; McCullough, 2000) ist die einzige Psychotherapieform, die speziell zur Behandlung chronischer Depressionen entwickelt wurde.
Der Ansatz integriert in innovativer Weise behaviorale, kognitive, psychodynamische sowie interpersonelle Strategien.
Die Therapie setzt direkt an der spezifischen Psychopathologie chronisch Depressiver an, worunter McCullough eine präoperatorische Denkweise und eine Wahrnehmungsentkoppelung von der Umwelt als Resultat frühkindlicher Traumatisierungen versteht.

Als Ziele werden daher
1) das Erkennen der Konsequenzen des eigenen Verhaltens,
2) der Erwerb von authentischer Empathie,
3) das Erlernen sozialer Problemlöse-Fertigkeiten und Bewältigungsstrategien und
4) ein interpersoneller Heilungsprozess bzgl. früherer Traumata definiert.

Die Schwerpunkte der CBASP-Therapie liegen zum einen in einer spezifischen Strategie – der Situationsanalyse und einem sich daran anschließenden Verhaltenstraining – zum anderen in interpersonellen Strategien zur Gestaltung der therapeutischen Beziehung. Anhand der Situationsanalyse lernt der Patient, eine kausale Beziehung zwischen seinen Verhaltens- und Denkmustern und den jeweiligen Konsequenzen herzustellen. Die interpersonellen Strategien ermöglichen eine auf die Bedürfnisse chronisch Depressiver adaptierte Rolle des Therapeuten. Dazu gehört, dem Patienten zu helfen zwischen altvertrauten dysfunktionalen Beziehungsmustern und dem Verhalten des Therapeuten oder anderer Personen zu unterscheiden. Darüber hinaus wird der Therapeut angeleitet, sich in einer bewussten Weise ganz persönlich beim Patienten einzubringen, damit der Patient seine eigene destruktive Entwicklungsgeschichte erkennen und revidieren kann.

In den USA wird CBASP aufgrund des bereits erfolgten Wirksamkeitsnachweises große Bedeutung in der Behandlung chronisch depressiver Patienten zugeschrieben. Auch im deutschsprachigen Raum gewinnt diese spezifische integrative Therapie zunehmend an Aufmerksamkeit.
Das CBASP beinhaltet acht Merkmale, die es von anderen Formen der Psychotherapie unterscheidet:

  1. Es ist das einzige Psychotherapieprogramm, das spezifisch für die Behandlung chronischer Depressionen entwickelt wurde.
  2. Zum Stillstand gekommene Reifungsprozesse werden als ätiologische Basis für chronische Depressionen angesehen.
  3. Innerhalb von CBASP wird die Depression in Form einer „Person x Umwelt“-Perspektive konzeptualisiert und leitet die Patienten dazu an, zu berücksichtigen, was sie bei anderen Menschen auslösen.
  4. Zu den Behandlungszielen gehört die Förderung der Fähigkeit, formale Operationen im Sinne Piagets zur Lösung sozialer Probleme einzusetzen und sich in sozialen Beziehungen empathisch aufgeschlossen zu verhalten.
  5. Therapeuten werden ermutigt, sich auf ihre Patienten in einer kontrollierten Weise persönlich einzulassen, um damit deren Verhalten zu modifizieren und zu beeinflussen.
  6. Übertragungsthemen werden konzeptualisiert, indem die Technik einer Hypothesengenerierung verfolgt wird und die Übertragungsprozesse während des Therapieprozesses proaktiv hinterfragt werden.
  7. Eine Therapietechnik, die Situationsanalyse, dient dazu, die Psychopathologie des Patienten innerhalb der Therapiesitzung deutlicher hervortreten zu lassen, um dann gezielt daran zu arbeiten.
  8. Negative Verstärkungsmethoden werden als wesentliche Motivationsstrategie genutzt, um Verhaltensänderungen zu ermöglichen.

CBASP-Gründer Dr. J. McCullough, Jr.

cbasp mcculloughJames P. McCullough, Jr., Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Virginia Commonwealth University begann Mitte der 70er Jahre seine Arbeit mit chronisch depressiven Patienten. Zu dieser Zeit galten refraktäre affektive Störungen noch als Persönlichkeitsstörungen, die weder auf Medikation noch auf Psychotherapie ansprachen.
McCullough entwickelte sein spezifisches CBASP-Modell anhand seiner Therapien mit zahlreichen chronisch Depressiven. Er überprüfte die Wirksamkeit des Verfahrens zunächst mit Hilfe von Einzelfallreihen und publizierte erste Erfolg versprechende Resultate schon 1980. Mit der Einführung des Diagnostischen und Statistischen Manuals Psychischer Störungen (DSM-III) im Jahre 1980 wurden chronische Depressionen aus der Gruppe der Persönlichkeitsstörungen herausgenommen und auf Achse I (Psychiatrische Störungen) klassifiziert.

Erst 1996 wurde das CBASP in einer großen randomisierten Untersuchung an 681 chronisch-depressiven ambulanten Patienten überprüft (Keller, McCullough, Klein et al. 2000). Für diese 12 Zentren umfassende Studie wurde das CBASP-Modell von Experten als psychotherapeutische Behandlungsmethode ausgewählt, um es gegen ein serotonerges antidepressives Medikament zu vergleichen. Die erfolgreichen Studienergebnisse machten CBASP sowohl national als auch international bekannt, zumal es das einzige psychotherapeutische Modell ist, das speziell für die Behandlung der chronischen Depression entwickelt wurde. Derzeit wird CBASP im Rahmen einer umfassenden amerikanischen Studie an 910 ambulanten Patienten, bei der McCullough einer der Studienleiter ist, ein weiteres Mal überprüft.

PMcCullough hat seit den frühen achtziger Jahren über 300 chronisch Depressive selbst behandelt. Mit seiner weitreichenden praktischen Erfahrung begeisterte er die Teilnehmer seines ersten Trainingsworkshops in Deutschland, der 2004 am Universitätsklinikum Freiburg in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie stattfand. Insbesondere überzeugten seine Demonstrationen, sich ganz persönlich auf den chronisch depressiven Patienten einzulassen.
In Richmond, VA leitet McCullough das CBASP National Training Program, Inc.